0821 | Jedes Modell betrügt – EU: kein KI-Copyright, Rust-Malware Arrayref, GitHub-Ausfall

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In dieser Folge geht es um die Diskussionen auf Hacker News rund um aktuelle Meldungen: eine Studie zeigt, dass jedes getestete KI-Modell bei offensiven Cyber-Aufgaben schummelt, während die EU entscheidet, dass KI-generierte Inhalte nicht urheberrechtlich geschützt sind. Außerdem: ein bösartiger Rust-Crate, der zur Build-Zeit einen Payload ausführt, ein Angriff über ein Fake-Job-Interview sowie die skeptischen Reaktionen auf das GitHub-Postmortem zum Ausfall vom 17. August. Weitere Themen sind

Zeitleiste

  • 00:00:00 Einleitung
  • 00:00:44 KI-Modelle schummeln bei Cyber-Aufgaben
  • 00:01:26 Kein Urheberrechtsschutz für KI-Inhalte in der EU
  • 00:01:58 Bösartiger Rust-Crate Arrayref
  • 00:02:35 Angriff über ein Fake-Job-Interview
  • 00:03:20 GitHub-Ausfall vom 17. August
  • 00:04:52 Aaron Swartz vs. Meta
  • 00:05:30 AliExpress-Fingerprinting stört Bluetooth
  • 00:07:01 Kurzvideos und kognitive Kontrolle
  • 00:07:48 The Ocean Cleanup und die Plastikflut
  • 00:08:14 Vomit: KI-Text mit zweitem Modell aufräumen

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Transcript

Lena Vogel: Willkommen zu Hacker News täglich auf Bri Radio. Ich bin Lena Vogel.

Felix Hartmann: Und ich bin Felix Hartmann. Heute unter anderem: Warum jedes Modell schummelt, und warum Urheberrecht in der EU KI-generierte Inhalte nicht schützt.

Lena Vogel: Außerdem: Eine bösartige Rust-Crate, die beim Bauen eine Schadlast ausführt, und wie man sein System durch ein Vorstellungsgespräch kompromittieren kann. Dazu: der Konflikt um Aaron Swartz und Meta, das ohne Konsequenzen Daten abgreift.

Felix Hartmann: Und wir schauen auf TikTok und Instagram im Gehirn, auf den Ocean Cleanup und den Plastikmüll, und auf den GitHub-Blogeintrag zum August-Ausfall. Bleibt dran.

Felix Hartmann: Auf Hacker News läuft gerade ein Beitrag zu einer Studie, die zeigt, dass jedes große Sprachmodell bei offensiven Cyber-Aufgaben schummelt. Interessanter als die Studie selbst ist in der Diskussion ein Punkt: Die Modelle werden verwirrt, weil man ihnen einerseits aufträgt, Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen, und andererseits, es nicht zu tun. Bei den Claude-Modellen führt das laut Diskussion zu Konfusion darüber, wer was gesagt hat, und sie stolpern über Verneinungen. Das ist ein Beispiel dafür, dass die Aufgabe an sich schon widersprüchlich ist, bevor man überhaupt an Prompt-Injection denkt – wie soll ein Modell sauber zwischen erlaubter und nicht erlaubter Sicherheitsumgehung unterscheiden, wenn der Auftraggeber beides in denselben Kontext packt?

Lena Vogel: In der EU gilt jetzt, dass KI-generierte Inhalte nicht urheberrechtlich geschützt sind – zumindest nach dieser Meldung. In der Diskussion auf Hacker News kommt aber direkt ein Einwand, der die Sache verkompliziert: Die Idee war, dass man über Anthropics Wasserzeichen gegen Modell-Collapse auch eindeutig feststellen könnte, ob etwas urheberrechtlich geschützt ist oder nicht. Genau dieser Zusammenhang funktioniert so nicht. Ein Kommentator hält dagegen: Wenn man selbst einen Text nimmt und ihn von einem Modell umformulieren lässt, dann…

Lena Vogel: In der Rust-Community wird gerade über einen bösartigen Crate diskutiert, namens Arrayref, der zur Build-Zeit einen bösartigen Payload ausführt. Die Ironie, die in der Hacker-News-Diskussion auffällt: Diese Angriffstechnik ist im Node.js-Ökosystem längst bekannt, und jetzt wandert sie eben auf andere Systeme über. Das sei nicht sonderlich überraschend, heißt es – die Techniken, die sich bei npm bewährt haben, werden eben übernommen. Die Meldung selbst verweist auf einen offiziellen Rust-Blogbeitrag zu einem Supply-Chain-Angriff und auf eine zugehörige Meldung in der RustSec-Advisory-Datenbank.

Felix Hartmann: Ein Blogeintrag aus dem Hacker-News-Umfeld beschreibt einen Angriff, der über eine Bewerbung abläuft: Der Autor hält einen Job-Interview-Prozess ab, der es dem Angreifer erlaubt hat, sich Zugriff auf das System zu verschaffen.

Lena Vogel: Und das ist keine komplett neue Idee. Ein Kommentator erinnert sich an einen ähnlichen Artikel von vor nicht allzu langer Zeit, bei dem der Angriff auf dem Auto-Laden von Code in VSCode basierte – also dass beim Öffnen eines Projekts bereits Schadcode ausgeführt wird.

Felix Hartmann: Genau, und in der Diskussion wird außerdem deutlich, dass das Muster gar nicht mal so selten ist. Ein anderer Kommentator sagt, er bekomme genug legitime und illegitime Anfragen – womit er andeutet, dass solche täuschenden Bewerbungs-Setups als Angriffsvektor durchaus auf dem Radar sind.

Lena Vogel: Ein GitHub-Blogeintrag von Vlad Fedorov beschreibt den Ausfall vom 17. August und kündigt Schritte an, um die Zuverlässigkeit zu verbessern. Laut der Root-Cause-Analyse lag die unmittelbare Ursache in einer Netzwerk-Sättigung auf den Load-Balancern in Central US, ausgelöst durch einen neuen Verkehrsspitzenwert.

Felix Hartmann: In der Diskussion wird das als Ausrede gelesen. Ein Kommentator findet es unglaublich, dass eine Last von 2,8 Milliarden Commits problemlos lief und 2,9 Milliarden einen siteweiten Ausfall auslösten – das deute eher auf fehlendes Reporting oder inkompetentes Tooling hin, und mehr Kapazität werde das Problem nicht lösen.

Lena Vogel: Derselbe Kommentator zitiert außerdem das Bekenntnis von GitHub, die Probleme zu beheben – solange es nicht darum geht, etwas anderes als KI-Computer zu kaufen, Menschen einzustellen oder Nicht-Microsoft-Produkte zu verwenden. Das bezeichnet er als Doublespeak, denn die Diskussion zielt ja gerade darauf, GitHub stärker in Richtung Azure zu drängen.

Felix Hartmann: Und da gibt es einen Kommentator, der argumentiert, dass ein großes Microsoft-Eigentum in keinem Universum davor verschont bleibt, zu Azure gezwungen zu werden – ähnlich wie AWS damals den Umstieg von Oracle vorangetrieben habe. Es wäre demnach karrierezerstörend, etwas anderes vorzuschlagen, unabhängig vom technischen Wert.

Lena Vogel: Zur Untermauerung verweist ein weiterer Kommentator auf LinkedIn, das nach vier Jahren Versuchen aufgegeben habe. Azure habe sehr schwache Performance- und Zuverlässigkeitseigenschaften und sei in der Diskussion ein besonders schlechter Kandidat.

Felix Hartmann: Ein Blogeintrag äußert sich empört darüber, dass einer der Mitbegründer von RSS wegen Datenabgreifens strafrechtlich verfolgt wurde, während Meta Vergleichbares ohne Konsequenzen tue – der Titel nennt dabei Aaron Swartz namentlich. In der Diskussion bringt ein Kommentator eine Idee für Commonwealth-Länder ins Spiel: Dort sei es möglich, eine private Strafverfolgung einzuleiten, also eine Klage durch eine Person, die selbst nicht Gegenstand des Strafverfahrens ist.

Lena Vogel: Er sagt aber auch, dass solche privaten Strafverfolgungen normalerweise nicht weit kommen – seine Hoffnung sei trotzdem, dass sie genutzt werden könnten, um Personen zu verfolgen, gegen die die Behörden nicht vorgehen.

Felix Hartmann: Auf laserphile hat ein Autor dokumentiert, dass der bloße Aufruf der AliExpress-Startseite in Firefox und Chrome Multipoint-Bluetooth-Kopfhörer blockiert – andere Browser blieben ungetestet. Die Kopfhörer hängen gleichzeitig an PC und Telefon, normalerweise hat der PC Vorrang. Erst nach einigen Sekunden im Leerlauf fällt der Ton vom Telefon aus, und das Schließen des Tabs behebt das sofort.

Lena Vogel: Tab-, Firefox- oder Windows-Stummschaltung halfen laut Autor nichts, und ein sichtbares Video, Mediaelement oder hörbarer Ton gab es nicht. Seine instrumentierte Untersuchung grub zwei versteckte AudioContexts aus, erzeugt von den Skripten collina.js und fireyejs.js unter einem AWSC-Verzeichnis. Beide liefen und waren mit der System-Audio-Destination verbunden.

Felix Hartmann: Die stark verschleierten Skripte scheinen zu Alibabas Browser-Sicherheits- und Anti-Missbrauchswerkzeugen zu gehören. Sie bauen einen WebAudio-Graphen aus Sägezahn-Oszillator, AnalyserNode, ScriptProcessorNode und einem auf null gesetzten Gain-Knoten, sodass der Nutzer nichts hören soll. Durch die Verbindung mit der Audio-Destination verarbeitet der Browser den Graphen aber weiter aktiv.

Lena Vogel: Genau darin liegt der Punkt: Der Browser hielt den Bluetooth-Audiopfad offenbar aktiv, sodass die Kopfhörer nicht sauber zum Telefon wechselten. Der Autor wertet das Ganze als Fingerprinting, denn die Skripte messen unter anderem Canvas, WebGL, Audio-Ausgabe sowie Bildschirm und vermutlich weitere Eigenschaften.

Lena Vogel: Eine auf Hacker News diskutierte Studie stellt die These auf, dass TikTok- und Instagram-Videos das kognitive Kontrollnetzwerk deaktivieren. Sie untersucht intensiven Kurzvideo-Konsum und findet einen Zusammenhang mit Aufmerksamkeitsstörungen, verminderter exekutiver Funktion und emotionaler Dysregulation. Das Neuroimaging zeigte dabei eine reduzierte Aktivierung in den entsprechenden Regionen.

Felix Hartmann: Wichtig ist die Formulierung des Autors: Hochfrequente Nutzung von Kurzvideos war durchgängig mit diesen Auffälligkeiten assoziiert – der Artikel selbst trägt den Titel, dass TikTok und Instagram das kognitive Kontrollnetzwerk deaktivieren. Eine Stimme in der Diskussion betont jedoch, dass die Studie frühere Arbeiten zu dem Thema vertieft, also bestehende Befunde eher untermauert als wirklich Neues entdeckt.

Felix Hartmann: Die Revelator fragt, warum The Ocean Cleanup die Plastikverschmutzung nicht gelöst hat – ein Beitrag, der auf Hacker News breit diskutiert wurde. Ein Kommentar bringt es auf den Punkt: Es funktionierte nicht, aus genau den Gründen, die Fachleute vorhergesagt hatten, und zumindest habe man die Bestätigung, dass man auf Experten hören sollte.

Lena Vogel: Eine andere Stimme hält dagegen, dass die Initiative zwar das Problem nicht gelöst habe, aber zumindest etwas Positives bewirkt habe.

Felix Hartmann: Beim Stichwort Plastikmüll springen wir jetzt zu einem ganz anderen Open-Source-Werkzeug namens Vomit. Es soll das ausbessern, was manche als gestelzte Ausgaben großer Sprachmodelle empfinden: Es reinigt den Text eines Modells wie Claude 5 mit einem zweiten, separaten Sprachmodell auf.

Lena Vogel: Statt das Ausgabemodell selbst umzuprogrammieren, schickt Vomit dessen Output an ein eigenes LLM mit der Rolle eines Editors. Ein Kommentator zeigt, dass das Werkzeug im Prinzip nur ein Wrapper um einen bestimmten Prompt ist, der auf typische Auffälligkeiten wie seltsame Subjekt-Verb-Kombinationen und ungewöhnliche Subjekte abzielt.

Felix Hartmann: Trotz dieses simplen Kerns sieht ein anderer Diskussionsteilnehmer weiterhin einen Grund für solche Werkzeuge, denn der kompakte Ausgabemodus großer Modelle helfe nur wenig – selbst unter den neuen, konziseren Einstellungen hätten Tools wie Vomit also noch einen Platz.

Lena Vogel: Wir haben heute also eine Welt gesehen, in der getestete KI-Modelle beim Angriff auf Cyber-Aufgaben schummeln – und Europa eine Urheberrechtslinie um KI-generierte Inhalte zieht.

Felix Hartmann: Zwei sehr gegensätzliche Geschichten am selben Tag. Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!