0808 | US-Jobverlust, Databricks-KI-Kosten & Metabase-Datenpanne

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In dieser Folge wird zunächst der überraschende Rückgang der US-Beschäftigung um 23.000 Jobs im Juli eingeordnet und mit den Tech-Entlassungen in Verbindung gebracht. Danach geht es um die explodierenden Kosten agentischer KI-Entwicklung bei Databricks und den daraus entstehenden Konflikt mit den Kunden. Weitere Themen: die bereits ausverkaufte Speicherkapazität für 2027 und steigende Preise, die Datenpanne beim Laptop-Hersteller Framework über eine Metabase-0-Day-Lücke, sowie ein Essay über Tec

Zeitleiste

  • 00:00:00 Einleitung
  • 00:00:41 US-Arbeitsmarkt verliert 23.000 Jobs im Juli
  • 00:02:40 Databricks' KI-Coding-Kosten und der Gegenwind
  • 00:04:30 Speicherkapazität für 2027 ausverkauft
  • 00:06:10 Framework-Datenpanne über Metabase-0-Day
  • 00:07:54 Tech-Beschäftigte verlieren den Glauben an ihren Beruf
  • 00:09:42 Ex-NSA-Chef: Wassersteuerungen nicht ins Internet
  • 00:11:27 DeepSeek V4 Flash im ARC-Test
  • 00:12:40 Oracle verbietet KI-Code im OpenJDK
  • 00:14:02 Ein Jahr Kampf gegen Scraper
  • 00:15:49 USA zahlen 1,2 Milliarden für Windkraft-Stopp
  • 00:17:08 DOE Genesis Open Models Initiative
  • 00:18:43 Leben auf der Erde zweimal entstanden?
  • 00:20:44 OpenAI zu kritischen Cyber-Fähigkeiten
  • 00:22:38 App-Store-Ablehnung der Woche: Dark Hours
  • 00:24:21 Postgres 300-fach schneller: pgrust

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Transcript

Lena Vogel: Willkommen bei Hacker News täglich, ich bin Lena Vogel.

Felix Hartmann: Und ich bin Felix Hartmann. Heute geht es wieder um die besten Diskussionen und Meldungen aus der Tech-Welt – von einem überraschenden Job-Bericht bis hin zu tiefen Einblicken in die Welt der KI-Coding-Kosten.

Lena Vogel: Genau, wir schauen uns unter anderem an, warum ein neuer Bericht über ein Hardware-Thema für Gesprächsstoff sorgt und wie eine Datenschutzpanne bei einem Business-Intelligence-Anbieter die Community bewegt.

Felix Hartmann: Außerdem: Ein Essay über die Arbeit in der KI-Branche, ein Blick auf die Sicherheitslage aus Sicht eines Ex-Geheimdienstchefs und die Frage, was Open-Source-Software von der Zukunft lernen kann. Bleibt dran!

Felix Hartmann: Der jüngste Arbeitsmarktbericht zeigt einen deutlichen Bruch mit der jüngeren Entwicklung: Im Juli verlor die US-Wirtschaft rund 23.000 Jobs, nachdem es vier Monate in Folge Zuwächse gegeben hatte. Dow-Jones-Ökonomen hatten mit 83.000 neuen Stellen gerechnet – auch der Juni blieb mit 57.000 neu geschaffenen Jobs deutlich hinter dieser Erwartung zurück.

Lena Vogel: Und das Amt für Arbeitsstatistik hat die beiden Vormonate zudem um insgesamt über 100.000 Stellen nach unten korrigiert. Vor allem drei Sektoren drückten im Juli: der Bildungsebereich der lokalen Verwaltung verlor 50.000 Jobs, wobei vermutlich die Sommerpause der Lehrkräfte eine Rolle spielt. Besorgniserregender ist der Rückgang von 40.000 Stellen im Freizeit- und Gastgewerbe – Ökonomen sehen darin ein mögliches Frühwarnzeichen für eine abkühlende Nachfrage. Auch Einzelhandel und Finanzbranche bauten Stellen ab.

Felix Hartmann: Auf der positiven Seite stehen das Gesundheitswesen und die Bauwirtschaft mit jeweils rund 22.000 neuen Stellen. Allerdings wächst das Gesundheitswesen damit langsamer als im Schnitt der vergangenen zwölf Monate. Auffällig ist auch das Lohnbild: Die Löhne stiegen nur 0,1 Prozent zum Vormonat und 3,2 Prozent im Jahresvergleich – und bleiben damit hinter der Inflationsrate von 3,5 Prozent zurück. Zudem war die Erwerbsquote so niedrig wie seit über fünf Jahren nicht mehr.

Lena Vogel: Ein Ökonom der Navy Federal Credit Union nennt den Bericht schlicht trostlos und sagt, der Arbeitsmarkt stocke wieder. Die Börsen reagierten am Ende erleichtert: Die Futures auf den Standardwerteindex legten leicht zu, und die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen fiel auf 4,6 Prozent. Interessant ist außerdem, dass die Diskussion über einen möglichen Treiber der Jobverluste rasch auf einen anderen großen Bereich gelenkt wird: die Entlassungswellen in der Tech-Branche. Dazu gleich mehr.

Felix Hartmann: Passend zur Tech-Entlassungsfrage: Databricks, eine große Plattform für Datenanalyse und künstliche Intelligenz, hat in einem Blogbeitrag offen über die Kosten agentischer Softwareentwicklung gesprochen. Dort schreibt das Unternehmen, dass KI-Programmieragenten gemessene Entwicklungsgeschwindigkeit verbessert hätten – in manchen Teams sogar um eine Größenordnung. Gleichzeitig seien die Kosten exponentiell gestiegen und könnten, wenn man sie nicht angehe, irgendwann den eigenen Umsatz überholen.

Lena Vogel: Als Gegenmittel nennt der Beitrag unter anderem günstigere offene Modelle, flexibleres Routing von Anfragen an verschiedene Modelle, Sichtbarkeit der Ausgaben, Budgets für einzelne Entwickler und ein zentrales KI-Gateway. Die Beispiele stammen aus eigener Erfahrung und Gesprächen mit Firmen wie Stripe, Coinbase, Uber und Ramp – wobei die Zahlen bewusst nur als Richtwerte aus einer informellen Umfrage gemeint sind.

Felix Hartmann: In der Diskussion unter dem Beitrag meldet sich aber ein grundlegender Einwand zu Wort: Ein Nutzer berichtet, sein Unternehmen habe Databricks komplett entfernt und dadurch über zwei Millionen Dollar pro Jahr gespart – und nennt das Abrechnungsmodell der Plattform geradezu räuberisch. Ein anderer hält das für ein Missverständnis: Der Artikel beschreibe, wie Databricks seine eigenen KI-Entwicklungskosten senkt – nicht, dass Databricks die Kosten anderer senke.

Lena Vogel: Dazu kommen skeptische Stimmen, die die KI-Abfragegenerierung der Plattform als nahezu nutzlos bezeichnen. Klar zeigt sich hier, wie angespannt die Debatte ist: Einerseits die Anbieter, die ihr eigenes Kostenproblem lösen, andererseits Unternehmen, die sich durch genau diese Anbieter finanziell ausgebeutet fühlen. Eine gute Überleitung zur nächsten Frage: Wenn KI-Unternehmen so viel Speicher aufkaufen, dass die gesamte Kapazität für 2027 ausverkauft ist – was macht das mit den Preisen?

Felix Hartmann: Genau davon berichtet ein neuer Artikel auf der Grundlage einer Digitimes-Meldung: Samsung, SK Hynix und Micron sollen ihre gesamte Speicherproduktionskapazität für das Jahr 2027 – also DRAM- und KI-relevante Speicherchips – bereits vollständig an KI-Unternehmen verkauft haben, und weitere Kapazität sei nicht geplant. Allerdings: Die Hersteller selbst haben das laut dem Artikel nicht bestätigt.

Lena Vogel: Viele Käufer sollen langfristige Kaufverträge über fünf Jahre abgeschlossen haben – sie haben also Speicher vorbestellt, der noch gar nicht produziert ist. Die Auswirkungen zeigen sich bereits jetzt: Auch der NAND-Speichermarkt wächst, die Preise für Solid-State-Laufwerke steigen seit etwa sechs Monaten stetig. Ein konkretes Beispiel: Ein gängiges Western-Digital-Laufwerk mit einem Terabyte kostete im Januar umgerechnet rund 110 Dollar und liegt jetzt bei fast 190 Dollar – ein Anstieg von über der Hälfte.

Felix Hartmann: Diese Speicherpreise wirken sich auch auf fertige Produkte aus: Die Xbox Series X ist diesen Monat im Preis gestiegen, und auch die Steam Machine kam wegen höherer Speicherkosten teurer auf den Markt, als Valve eigentlich wollte. Die Redakteurin des Artikels sagt dazu ironisch, sie warte darauf, dass die KI-Blase platzt, um wieder ein ordentliches Arbeitsspeicher-Kit für unter 500 Dollar zu bekommen.

Lena Vogel: In der Diskussion geht es unter anderem um die Frage, ob dieses massenhafte Aufkaufen nicht als illegales Scalping gelten müsste – einige weisen aber darauf hin, dass die bestellenden Firmen den Speicher tatsächlich einsetzen wollen, anders als bei Ticketaufkäufen. Klar ist am Ende: Wer im nächsten Jahr ein Gerät mit viel Speicher kaufen will, sollte sich auf höhere Preise einstellen.

Felix Hartmann: Ein weiteres Thema mit Auswirkungen auf Käufer: Der Laptop-Hersteller Framework hat eine Datenpanne bekannt gegeben, die über den Business-Intelligence-Dienst Metabase lief. In einer Mail an betroffene Kunden beschreibt das Unternehmen einen begrenzten Datenvorfall – Zahlungsdaten seien nicht betroffen. Metabase meldete laut des Schreibens am 3. August einen Angriff über eine bis dahin unbekannte Sicherheitslücke und informierte Framework drei Tage später.

Lena Vogel: Welche Daten sind betroffen? Betroffen sind unter anderem Namen, E-Mail-Adressen, Login-IPs, Rechnungs- und Versandadresse, Telefonnummer und Firmenname. Bei Geschäftskunden können zusätzlich Steuernummern und Rechnungs-E-Mail-Adressen erfasst sein. Framework sagt, es habe Zugangsdaten ausgetauscht, Admin-Zugriffe geprüft und wolle zukünftig für Analyse-Plattformen nur noch die unbedingt nötigen Datenfelder freigeben.

Felix Hartmann: Metabase-Chef Sameer Al-Sakran betont, der Bericht sei vorläufig, und eine unabhängige Forensik-Firma ermittle noch. In der Community wird Frameworks Kommunikation durchaus gelobt – ein Nutzer sagt aber, hier sei wieder einmal eine Analytics-Plattform das Einfallstor gewesen, nach Salesforce und Mixpanel in der Vergangenheit. Sein Punkt: Anders als Passwörter oder Kreditkartendaten lassen sich Name, Telefonnummer und Adresse kaum ändern – solche Metadaten bleiben ein Leben lang.

Lena Vogel: Das ist der eigentliche Frust hinter der Meldung: Nicht die Zahlungsdaten sind das brisante Gut, sondern gerade jene persönlichen Angaben, die man nicht einfach neu setzen kann. Framework hat transparent reagiert, aber der Vorfall zeigt wieder einmal, dass die schwächste Stelle oft ein externer Dienstleister ist – und dass sich Betroffene eher früher als später auf Phishing-Versuche mit ihren echten Daten einstellen müssen.

Lena Vogel: Zum Beispiel eine Szene, die für sich spricht: ein Mann Anfang dreißig sitzt im Zug und erklärt eine halbe Stunde lang monoton Finanzkennzahlen – EBITDA, Margenausweitung, Kostenstrukturen, jährlich wiederkehrende Umsätze. Und dann holt er am Endbahnhof aus seiner Ledertasche Stricknadeln und pinkes Garn hervor. Eine Wintermütze für seine Nichte, wie er sagt – ein Projekt, einfach aus dem Wunsch heraus, etwas zu tun.

Felix Hartmann: Und genau in diesem Moment, so erzählt der Autor Aaron Horwath, sah er zum ersten Mal Stolz und Aufregung in den Augen dieses Mannes. Horwath leitet KI-Operationen bei einem Kreativtechnologie-Unternehmen und hat dazu einen Essay veröffentlicht – die Grundfrage lautete, warum alle in der Tech-Branche so traurig sind, beziehungsweise wie die Zukunft der Wissensarbeiter in einer von KI geprägten Welt aussieht.

Lena Vogel: Seine Beobachtung: Immer mehr Menschen scheinen zu erkennen, dass Wissensarbeit weithin sinnlos ist – und KI könnte genau zeigen, was passiert, wenn eine ganze Klasse von Arbeitern den Glauben an ihre Karriere verliert. Unter Kollegen hört er immer öfter Sehnsüchte nach Töpferei, Malerei, Häkeln oder altmodischen analogen Hobbys. Fachleute träumen in Cafés und Bars vom Verschwinden, vom Leben auf einem Bauernhof oder abseits des Netzes.

Felix Hartmann: Die Ernüchterung sei ansteckend, schreibt er: Motivationsabfall, Distanz zur Arbeit, Schlafmangel, Zukunftssorgen – und Grundsatzfragen wie die nach dem eigentlichen Sinn dessen, was man da tue.

Lena Vogel: Was ihn von früheren Umbrüchen unterscheidet: Diese Fragen sind nicht mehr nur wirtschaftlich, sondern existenziell. Selbst hochbezahlte Führungskräfte mit jahrzehntelangem Institutionenwissen sind verunsichert. Auf der anderen Seite steht die Gegenrede – etwa, dass Wissensarbeiter in den 2010er-Jahren selbst gepredigt haben, man solle programmieren lernen.

Felix Hartmann: Wechseln wir zur Wasserversorgung und zu einer klaren Warnung von einem Mann, der die NSA mitgeprägt hat. Ex-NSA-Chef und General außer Dienst Paul Nakasone hat auf der Hacker-Konferenz DEF CON gesagt: Industriesteuerungen in der Wasserinfrastruktur – Programmable Logic Controllers – sollten nicht mit dem Internet verbunden sein. Punkt.

Lena Vogel: Der Hintergrund sind Angriffe auf Wassersysteme in mindestens zwölf US-Bundesstaaten, höchstwahrscheinlich durch Iran. Das FBI untersucht seit Ende Juli Angriffe auf operative Technik-Geräte, also Steuerungssysteme, die Sensordaten wie Tankstände überwachen und Pumpen an- und ausschalten können.

Felix Hartmann: Eine offizielle Zuschreibung durch FBI oder durch die Trump-Administration steht allerdings noch aus. Aber Cynthia Kaiser vom Ransomware-Forschungszentrum Halcyon bringt es auf den Punkt: Sie wäre schockiert, wenn es nicht Iran wäre.

Lena Vogel: Nakasone hält den Behörden einen maßvollen Ansatz zugute – und erinnert daran, dass man mit Iran im Konflikt stehe, der Akteur also eine nachgewiesene Historie und Fähigkeit habe.

Felix Hartmann: Und er liefert auch die harte Zahl dahinter: rund 50.000 Wassergemeinden in den USA, aus denen 90 Prozent des Wassers kommen. Diese Systeme seien historisch unterfinanziert, mit begrenztem IT-Personal – teils ganz ohne eigene Cybersicherheits-Mitarbeiter. Als Abwehransätze nennt der Artikel unter anderem ein freiwilliges Hacker-Programm namens DEF CON Franklin und eine offene Plattform von Akademikern und Praktikern.

Lena Vogel: In der Diskussion gibt es aber auch Widerspruch: Ein Nutzer meint, eine Anbindung ans Internet sei erst vertretbar, wenn man es nicht mit 30 Jahre alten, für Missbrauch reifen Steuerungen zu tun habe.

Lena Vogel: Von dort weiter zur abstrakteren Frage: Wie gut versteht ein Modell eigentlich, was jenseits seines Trainings liegt? Auf dem Prüfstand der ARC-Benchmark stehen Modelle, die aus wenigen Beispielen ein Muster ableiten sollen – weit weg vom bloßen Auswendiglernen. Ein Neuzugang von Ende Juli, DeepSeek V4 Flash, dokumentiert gleich drei Reasoning-Varianten.

Felix Hartmann: Die mit maximaler Denkleistung schafft 89 Prozent auf dem ersten Aufgaben-Set bei umgerechnet etwa zwei Cent pro Aufgabe, und 61 Prozent auf dem anspruchsvolleren zweiten Set bei rund vier Cent. Die mittlere Variante liegt bei 87 und 56 Prozent, die leichte bei 84 und 46.

Lena Vogel: Bemerkenswert dabei, wie unterschiedlich die Varianten arbeiten: Auf einem öffentlich ausgewerteten Testblock scheitern an bestimmten Aufgaben alle drei, während andere Aufgaben alle drei lösen. Keine einzige Variante löst also alles – die Fähigkeiten verteilen sich unterschiedlich je nach Art der Aufgabe.

Felix Hartmann: In der Community wird das Ergebnis vor allem über den Preis eingeordnet: Manche sehen es auf dem Niveau eines etablierten Konkurrenzmodells, nur eben spürbar günstiger.

Felix Hartmann: Zum Abschluss eine Kontroverse mit einem gehörigen Ironiefaktor: Oracle hat generativ erzeugten Code aus Beiträgen zum offenen Java-Projekt OpenJDK ausgeschlossen. Der Steward des Projekts begründet das mit Sicherheits-, Schutz- und geistigen Eigentumsrisiken.

Lena Vogel: Konkret heißt das: Entwickler dürfen KI-Modelle durchaus privat zum Debuggen und Reviewen nutzen – aber keine KI-generierten Inhalte in Repositories, Pull Requests oder andere Projektkanäle einreichen.

Felix Hartmann: Und genau hier liegt der Widerspruch zu Oracles eigener Praxis. Mitgründer Larry Ellison erklärte, KI-Modelle schrieben inzwischen Oracles Code – und Co-CEO Mike Sicilia führt darauf zurück, dass kleinere Engineering-Teams schneller liefern.

Lena Vogel: Eine Diskussionsteilnehmerin sieht die Ironie darin, dass nun KI-generierter Code auf handgefertigten JVM-Laufzeitumgebungen laufe. Andere kontern: Für ganz neue Projekte greifen die meisten Modelle ohnehin nicht zu Java – die betroffene Menge sei kleiner als befürchtet. Dagegen hält ein Kollege: Bittet man ein Modell um eine Android-App, würde es vermutlich Java wählen.

Felix Hartmann: Angesichts dieser Investitionen eine naheliegende Frage: Oracle steckt dieses Jahr 70 Milliarden Dollar in den Ausbau von Rechenzentren – die Ratingagentur Standard & Poor's hat Oracle deshalb auf BBB- herabgestuft, eine Stufe über dem Junk-Status, wegen unsicherer Renditeaussichten.

Lena Vogel: Ein Betreiber einer Website mit anderthalb Millionen Seiten hat ein Jahr lang versucht, Scraper abzuwehren – und stellt fest, dass 99 Prozent des gesamten Traffics auf seiner Seite von Bots stammt. Der Titel des Blogposts ist dabei ziemlich ironisch: Sobald man die Seite öffnen will, blendet sie einen kurzen Zwischenbildschirm ein, den viele von uns von Schutzdiensten kennen.

Felix Hartmann: Und die Selbstironie kommt in den Kommentaren erst richtig zum Tragen. Ein Kommentator räumt offen ein, dass seine eigene Website ihre Daten bezieht, indem sie öffentliche Dokumente scrapt. Er sagt wörtlich: „Ich bin also ein Scraper, der einen Blogpost schreibt, in dem er sich über Scraper beschwert – mir ist bewusst, wie das klingt.“

Lena Vogel: Er liefert damit auch gleich den wahrscheinlichen Grund nach: Die Seite wird vermutlich gerade deshalb so gezielt von Scrapern angegriffen, weil sie selbst eine kuratierte Sammlung gescrappter Informationen ist. Andere spinnen die Pointe weiter – einer fragt salopp, wer denn nun die Scraper scrapt, ein anderer fasst es als „Lebst du vom Scraper, stirbst du am Scraper“ zusammen.

Felix Hartmann: Aber es wird auch differenziert. Ein Beitrag betont den Unterschied zwischen jemandem, der ab und zu ein Scraping-Werkzeug laufen lässt, und Bots, die dieselbe Seite pausenlos und in hohem Tempo neu abgreifen. Ein anderer Kommentar bringt es auf die Formel: Nicht das Scraping an sich macht das Gift, sondern die Dosis – sprich das Verhältnis von Scraping-Häufigkeit zu normalen Besuchen.

Lena Vogel: Und der Autor selbst meldet sich dazu zu Wort. Er stellt klar: Er scrappe eben nicht tausende Male am Tag. Normalerweise seien das nur ein paar Mal im Jahr. Und damit ist er laut dieser Logik eben doch nicht in derselben Liga wie die Bots, die er blockiert. Es geht also weniger um die Frage, ob man scrapt, sondern wie oft und in welchem Umfang.

Lena Vogel: Auf Hacker News wird gerade ein Deal diskutiert, bei dem die USA einer deutschen Firma 1,2 Milliarden Dollar zahlen, um Offshore-Windprojekte zu stoppen. Und schon die ersten Reaktionen sind hart – ein Kommentar bringt es auf den Punkt: „Erbärmlich.“ Ein anderer bezeichnet die Administration als von Scharlatanen übernommen und sagt, es gebe da nichts weiter zu sagen.

Felix Hartmann: Der Hintergrund: Es geht um die Windenergie vor der Küste. Interessant ist hier vor allem die politische Einordnung in den Kommentaren. Innenminister Doug Burgum hat sich in einer Stellungnahme zu der Sache geäußert – und genau diese Formulierung wird in der Diskussion aufgegriffen.

Lena Vogel: Die Zahlen selbst sind bemerkenswert: 1,2 Milliarden Dollar dafür, dass ein Unternehmen seine Windkraftprojekte vorerst nicht weiterverfolgt. Für die beteiligte deutsche Firma ist das ein massives Geschäftsfeld, das damit auf Eis gelegt wird. Für die amerikanische Regierungsebene ist es ein klares Signal, wohin die Energiepolitik gerade steuert.

Felix Hartmann: Die Kommentare machen vor allem eines deutlich: Viele in der Tech-Community sehen das als strukturelles Problem, nicht als Einzelfall. Der Tenor ist, dass diese Regierung den Interessen der Branche kaum noch Rechnung trage. Die Schärfe der Worte – von „Clown-Administration“ bis zum Vorwurf, vollständig von Scharlatanen erobert worden zu sein – zeigt, wie sehr das Thema die Gemüter bewegt.

Lena Vogel: Das US-Energieministerium hat eine neue Initiative angekündigt, die „Genesis Open Models Initiative“ – offenbar ein Programm für frei verfügbare KI-Modelle. Nur: Wer die verlinkte Originalseite öffnen will, begegnet dem bekannten Zwischenbildschirm eines Schutzdienstes. Konkrete Details zu den Modellen liefert die Seite also nicht.

Felix Hartmann: Genau dieser Mangel an Details stört in den Kommentaren. Einer fragt, warum Angaben zu Größe und Trainingsdaten des Modells fehlen. Ein anderer weist darauf hin, dass noch bis zum 14. August Bewerbungen zur Einreichung von Trainingsdaten angenommen werden. Das heißt: Es geht hier im Moment um eine Absichtserklärung und einen Aufruf zur Beteiligung – nicht um ein sofort verfügbares Modell.

Lena Vogel: Und damit zeichnet sich auch eine bewusste Kehrtwende ab. Während andere Ansätze darauf setzen, möglichst sämtliche Internetdaten einzusammeln, scheint die Absicht hier zu sein, bei der Auswahl der Trainingsdaten deutlich vorsichtiger vorzugehen.

Felix Hartmann: In den Kommentaren schwingt auch ein bisschen Humor mit. Einer merkt an, dass „Gomi“ auf Japanisch „Müll“ heißt, und fragt, ob da jemand ein Wortspiel eingebaut hat. Ein anderer erinnert an eine gescheiterte australische Energiepolitik, deren Name von Medien und Öffentlichkeit kurzerhand in ein Akronym umgedeutet wurde.

Lena Vogel: Und dann geht es um die Frage, wer überhaupt offene Modelle anbietet. Ein Kommentar hält fest: Seit Aufgabe der Llama-Serie gebe es praktisch keine amerikanischen Open Models mehr im engeren Sinne – im Wesentlichen bleiben Gemma und GPT-OSS. Für Universitätsforscher zähle dabei vor allem, dass ein Modell langfristig offen weiterentwickelt werde und keine China-Bedenken in Washington auslöse.

Lena Vogel: Hinter dem provokanten Titel „Leben auf der Erde könnte zweimal entstanden sein“ steckt eine Studie in der Fachzeitschrift Science Advances, über die ScienceAlert berichtet. Der Biologe William Martin von der Universität Düsseldorf hat Strukturen von Stoffwechsel-Enzymen in Bakterien und Archaeen verglichen – den zwei großen Linien des Lebens, die sich vor Milliarden von Jahren getrennt haben.

Felix Hartmann: Sein Befund: Die Enzyme, die die grundlegenden Stoffwechselreaktionen steuern, sind über diese evolutionäre Kluft hinweg nicht konserviert. Für ihn lasse die Datenlage nur einen Schluss zu – dass beide Linien unabhängig voneinander in den freilebenden Zustand übergegangen sind. Seine Formulierung: ein Ursprung des genetischen Codes, aber zwei Ursprünge des Lebens.

Lena Vogel: Die Forscher haben die Enzymstrukturen nach Komplexität geordnet und sind dabei auf ein faszinierendes Bild gestoßen. Der letzte gemeinsame Vorfahr aller Lebewesen, LUCA, besaß Enzyme nur für etwa die Hälfte der Reaktionen eines Netzwerks von rund vierhundert Reaktionen. Die andere Hälfte übernahmen demnach Metalle aus der Umgebung – etwa an heißen Quellen am Meeresboden, wo Mineralien als natürliche Katalysatoren wirken.

Felix Hartmann: Die Geschichte der Enzymkatalyse verlief also vermutlich in vier Phasen, beginnend mit rein umgebungsbedingten Metallkatalysatoren. In den Kommentaren wird die Deutung aber etwas runtergehandelt. Es gehe nicht um zwei völlig unabhängige Entstehungsereignisse von Leben, sagt einer. Das früheste Leben habe vielmehr einen Teil seines Stoffwechsels auf externe Chemikalien gestützt, und der Lebensbaum habe sich verzweigt, bevor diese Stoffwechselwege ins Innere des Organismus verlagert wurden.

Lena Vogel: Das Bild, das übrig bleibt, ist also weniger dramatisch als der Titel, aber nicht weniger faszinierend: reproduzierendes und evolvierendes Material, das noch nicht dem entspricht, was wir heute als modernen Lebensstandard bezeichnen würden, teilt sich in zwei Linien, bevor seine Stoffwechselwege vollständig in sich geschlossen waren. Und die Diskussion hält auch fest: Der Originalartikel hätte diesen Unterschied deutlicher machen können.

Lena Vogel: OpenAI hat am 7. August unter dem Titel „Responding to the next frontier of critical cyber capabilities“ vorläufige Cybersicherheits-Evaluationen zu seinem neuen Modell Astra veröffentlicht – und die Ergebnisse lassen aufhorchen. Laut OpenAI ist nicht auszuschließen, dass Astra die Critical-Schwelle ihres Preparedness Framework erreicht.

Felix Hartmann: Das ist die höchste Stufe – definiert als eigenständige Entwicklung funktionierender Zero-Day-Exploits in vielen gehärteten realen kritischen Systemen. Zum Vergleich: Frühere Modelle wie GPT-5.6-Sol wurden nur als High eingestuft. OpenAI betont allerdings, dass Astra am Hugging-Face-Vorfall nicht beteiligt war.

Lena Vogel: Dafür kündigt OpenAI strengere Sicherheitskontrollen an: isolierte Testumgebungen, eingeschränkten Netz- und Toolzugriff, verstärkten Schutz der Modellgewichte, zusätzliches Monitoring und sandboxed Execution. Interne Astra-Aktivitäten, die diese Anforderungen noch nicht erfüllen, werden pausiert.

Felix Hartmann: In der Hacker-News-Diskussion wird das allerdings skeptisch gesehen. Eine Stimme, TrueDuality, nennt die Ankündigung „FUD“ – die Sicherheitsschichten seien halbherzig und hätten Angreifern bislang mehr genützt als Verteidigern. Ein anderer Kommentator hält dagegen: Der Hugging-Face-Vorfall habe nicht nach FUD ausgesehen.

Lena Vogel: Spannend ist dabei ein Detail aus der Forensik: Für die Log-Analyse wurden Frontier-Modelle hinter kommerziellen APIs wegen der Safety-Guardrails blockiert. Die Analyse lief stattdessen auf dem offenen Modell GLM-5.2 auf eigener Infrastruktur.

Felix Hartmann: TrueDuality räumt immerhin ein, dass die Befunde valide seien und es echte Zero-Days gegeben habe – nur seien die ausgenutzten Schwachstellen weiterhin eher grundlegend. Das eigentliche Problem bleibt also: Selbst das leistungsfähigste Modell kann man nur so sicher einschätzen, wie die Testumgebung glaubwürdig ist.

Lena Vogel: Weiter mit einem Fall, der die App-Store-Praxis von Apple in Frage stellt. John Gruber erzählt in seiner Kolumne vom 7. August von Terry Godier, der seine Astronomie-Website Dark Hours als iOS-App einreichen wollte. Apple lehnte ab – mit der Begründung „Astrologie“.

Felix Hartmann: Dabei hat die App nachweislich keine Tarot-Funktion und keine Horoskope. Godier eskalierte bis zum App Review Board – ohne Erfolg. Das Board erklärte, es habe „verstanden“, dass die App eine Live-Tarot-Lesefunktion enthalte. Gruber nennt das geradezu kafkaesk, denn schon nach wenigen Sekunden in der App sei klar, dass es um Astronomie geht.

Lena Vogel: Dark Hours ist dabei offenbar keine Wegwerf-App, sondern exquisit gestaltet, iOS-exklusiv, mit nativem Liquid Glass UI, flüssigem Scrollen und schöner Typografie. Dass so etwas abgelehnt wird, während die Astrologie-App Co-Star einst sogar „Editor’s Choice“ war, hält ein Kommentator für irrsinnig.

Felix Hartmann: In der Diskussion gibt es aber eine differenziertere Erklärung: Apple sei nicht grundsätzlich gegen Astrologie-Apps, lasse aber in einigen Kategorien wegen der schieren Masse keine neuen mehr zu. Ein anderer Kommentator vermutet einen indirekten Anti-Spam-Effekt – zu viele ähnliche Apps führten zur Ablehnung neuer. Und der eigentliche Ablehnungsgrund ist womöglich gar nicht die Astronomie, sondern genau diese behauptete Live-Tarot-Funktion.

Lena Vogel: Ein Kommentator rechnet dann auch damit, dass die App am Ende doch genehmigt wird – schließlich seien virale Posts auf Reddit, Hacker News oder Twitter im Jahr 2026 das, was als Kundenservice durchgehe. Der App Store funktioniere eben nicht als System, sondern reagiert erst, wenn es öffentlich peinlich wird.

Lena Vogel: Zum Schluss ein Blick auf ein Projekt, das Postgres grundlegend neu baut. Ein Blogbeitrag stellt pgrust Version 0.2 vor – einen in Rust geschriebenen Neuaufbau der Datenbank. Die Zahlen klingen beeindruckend: In OLTP-Benchmarks sei pgrust 30 Prozent schneller als Postgres, und in ClickBench, dem Analyse-Benchmark von Clickhouse, 300-fach schneller – sogar vor Clickhouse selbst.

Felix Hartmann: Ein großer Teil davon, etwa das Zehnfache, gehe auf die Query Engine zurück. Die Kernaussage des Artikels: Postgres stammt aus den Achtzigern, als Festplatten-I/O der Engpass war. Heute entscheiden CPU- und Speicherdurchsatz. Bei einer Beispiel-Query über 500 Millionen Zahlen brauche Postgres rund 20 Sekunden, ein äquivalentes Rust-Programm unter einer halben Sekunde. Als größte Overhead-Quellen nennt der Autor Locking und das Parsen des Postgres-Speicherformats; optimiert wird durch Batching, Operator-Fusion und SIMD.

Lena Vogel: In der Hacker-News-Diskussion dreht sich aber vieles um die Lizenz. pgrust steht unter der AGPL, was ein Kommentator für ein Nicht-Web-Projekt ungewöhnlich findet und sich mehr Zuspruch für einen unabhängigen MIT-Fork wünscht. Ein anderer sieht die AGPL als Dealbreaker: In den meisten Unternehmensumgebungen gesperrt, keine breite Adoption, und ein Upstreaming in Core-Postgres sei blockiert.

Felix Hartmann: Es gibt auch Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Projekts – einer nennt das Repo „AI slop“, weil main nur zwei von Claude generierte Commits zeige. Dagegen heißt es: Der Versions-Tag für 0.2 enthalte fast 6000 Commits, der erste vom 2. Juli, und 4000 Stargazer in einer Woche. Dazu der pragmatische Gegeneinwand: Falls das Projekt wirklich 300-fach schneller ist, würden rationale Firmen sich ihre Lizenzpolitik sehr genau anschauen – Geschwindigkeit gewinnt letztlich gegen Bedenken.

Lena Vogel: Und das war es für heute – vom plötzlichen Stimmungsumschwung am US-Arbeitsmarkt bis zu den neuesten Entwicklungen bei KI-Code, Open Source und der Frage, ob Leben auf der Erde vielleicht zweimal entstanden ist.

Felix Hartmann: Wir haben unter anderem darüber gesprochen, dass Oracle AI-generierten Code aus OpenJDK-Beträgen ausschließen will, und wie ein US-Deal deutsche Offshore-Windprojekte stoppt.

Lena Vogel: Dazu DeepSeek, OpenAIs Pläne im Cyber-Bereich und das neue US-Energieministeriums-Projekt für offene KI-Modelle. Vielen Dank fürs Zuhören – bis zum nächsten Mal.