0804 | Qwen3.8-Max, Open Minis, Murmell & yapyap: KI-Neuheiten

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Lena Vogel:Hallo und herzlich willkommen zu Product Hunt täglich – oder kurz: Bri.

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Lena Vogel: Hallo und herzlich willkommen zu Product Hunt täglich – oder kurz: Bri. Ich bin Lena Vogel.

Felix Hartmann: Und ich bin Felix Hartmann. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Heute erwartet euch ein ziemlich volles Programm mit spannenden Launches.

Lena Vogel: Genau. Es gibt das neue Flaggschiff-Modell von Qwen, dazu gleich zwei frische Ansätze rund um cloud-gehostete KI-Agenten, und einen spannenden Kontrast aus lokalen Lösungen statt Cloud-Abos.

Felix Hartmann: Außerdem unter anderem: KI-Coding-Terminals, ein Tool, das Gebärdensprache mit Meta-Smart-Glasses übersetzt, und ein Mac-System zum Klonen von Apps. Wir starten!

Lena Vogel: Fangen wir mit Qwen an. Qwen bringt das Qwen3.8-Max heraus und beschreibt es selbst als bislang leistungsfähigstes Modell. Es ist ein sogenanntes Mixture-of-Experts-Modell mit rund 2,4 Billionen Parametern, wobei bei jeder Anfrage nur ein Bruchteil davon aktiv arbeitet — etwa 95 Milliarden Parameter.

Felix Hartmann: Und dieses Modell hat ein Kontextfenster von einer Million Tokens. Das heißt, es kann sich riesige Zusammenhänge merken — einen ganzen Codebestand oder sehr lange Gespräche. Dazu kommen multimodale Agent-Fähigkeiten fürs Programmieren, Recherche, Zusammenarbeit und langlaufende Agent-Aufgaben.

Lena Vogel: Laut Ankündigung ist die API jetzt live auf QwenCloud und funktioniert schon mit den gängigen Frameworks. Die offenen Gewichte sollen nächste Woche erscheinen — angekündigt als die größte Open-Weight-Veröffentlichung in Qwens Geschichte.

Felix Hartmann: Und es gibt schon einen beeindruckenden Community-Testlauf: Ein Nutzer hat das Modell 16 Tage am Stück arbeiten lassen. Gestartet mit einem leeren Repository, sollte das Modell sich selbst einen Coding-Testumgebung bauen und dabei weitermachen, während neue Issues, Feedback und Testergebnisse hereinkamen. Am Ende standen 265 Commits, über 127 Pull Requests und 151 Issues im Repository.

Lena Vogel: Was in der Community gut ankommt: Modell in dieser Größenordnung trotzdem komplett open-source zu machen. Während die meisten Labs alles hinter APIs abschotten, wird die Veröffentlichung von Qwen mit vollständigen Gewichten auf GitHub von vielen als echtes Geschenk an die Community empfunden.

Lena Vogel: Dann haben wir Open Minis — einen kostenlosen, quelloffenen KI-Agenten für iPhone und Android, der komplett auf dem Gerät läuft. Das Ganze basiert auf einer Sandbox-Linux-Shell direkt im Telefon. Dem Modell wird damit sozusagen ein echter Computer gegeben, auch wenn es nur ein Handy ist.

Felix Hartmann: Diese Shell installiert Pakete, führt Python aus, bearbeitet echte Dateien und kann sogar einen Browser steuern. Dazu kommen über 30 native Schnittstellen, die Apple-Frameworks wie HealthKit, HomeKit, Kalender und Fotos wie normale Kommandozeilen-Werkzeuge zugänglich machen.

Lena Vogel: Das Modell bringt man selbst mit — ob Claude, GPT, Gemini, DeepSeek, Kimi, Grok oder OpenRouter, praktisch jeder kompatible Endpunkt funktioniert. Laut den Entwicklern bleiben Schlüssel und Daten auf dem Gerät: kein Konto, keine Telemetrie, kein eigener Server im Datenpfad. Die App ist kostenlos, ohne In-App-Käufe und komplett quelloffen.

Felix Hartmann: Die Begründung dahinter ist interessant: Bisherige KI-Assistenten auf dem Handy konnten über Daten reden, aber nie wirklich damit arbeiten. Und Apps, die tatsächlich etwas tun konnten, waren meist an das Modell eines einzelnen Anbieters und dessen Cloud gebunden. Open Minis geht den anderen Weg.

Lena Vogel: In der Community wird genau das gelobt — eine echte lokale Shell statt einer weiteren Chat-Ebene. Eine offene Frage bleibt aber: Wie werden Berechtigungen und Genehmigungen bei sensiblen Bereichen wie HealthKit, Fotos oder HomeKit gehandhabt? Die Antwort darauf steht im vorliegenden Material leider noch aus.

Lena Vogel: Im Bereich cloud-gehosteter KI-Agenten gibt es zwei frische Launches: Murmell und AgentSky. Fangen wir mit Murmell an — das ist eine geteilte Cloud-Arbeitsfläche im Browser, auf der ein Team und mehrere KI-Agenten gleichzeitig am selben Repository auf einer Cloud-Maschine arbeiten.

Felix Hartmann: Der Gründer verrät: Die Idee entstand bei einem Hackathon, als drei Menschen und vier Agenten nur einen einzigen Laptop zur Verfügung hatten. Das Versprechen: Laptop zuklappen, die Arbeit läuft weiter, Ergebnisse landen in git. Der Clou dabei — jeder Agent muss Dateien für sich beanspruchen, bevor er schreibt: ein Halter pro Pfad, alle anderen warten. Auf der Produktseite heißt es: Es wird nichts am Ende gemerged, weil nichts am Anfang geforkt wurde.

Lena Vogel: Unterstützt werden heute Claude Code, Codex, Kimi und OpenCode, weitere sind angekündigt. Die Agenten gehören den Nutzern — Murmell startet deren Werkzeuge auf eigenen Maschinen, ohne Weiterverkauf und ohne gespeicherte Schlüssel. Gerade gibt es ein Launch-Angebot: die erste Woche kostenlos, plus Guthaben von 60 Dollar für Claude Code, wobei noch rund 75 Plätze frei sind. Der Solo-Tarif liegt bei 39 Dollar im Monat. In der Community wird kritisch gefragt: Was passiert mit einem Datei-Claim, wenn der Agent stirbt — und kann die Arbeitsfläche ganze Aufgaben beanspruchen oder zeigt sie nur Anwesenheit an?

Felix Hartmann: Dann AgentSky: Das verkauft sich als Managed Agent as a Service. Per Klick startet man langlebige Agenten — etwa Claude Code, Codex, Hermes oder OpenClaw — in einer Cloud-Sandbox mit voller Historie, Zustands-Snapshots, Backup und Restore. Erreichbar sind sie über WhatsApp, iMessage, Telegram, Slack, Web, API und Kommandozeile, wobei Kontext und Zustand über die Sitzungen hinweg erhalten bleiben.

Lena Vogel: Zum Abschluss zwei Neuheiten aus den letzten 24 Stunden, die denselben Ansatz verbindet: lokal statt Cloud-Abo. Da ist zuerst yapyap — ein lokaler Sprach- und Meeting-Recorder für Mac, Windows und Linux. Er nimmt Gespräche auf, transkribiert sie, benennt Sprecher und erstellt Zusammenfassungen und Aktionspunkte — komplett auf dem eigenen Rechner.

Felix Hartmann: Audio und Transkript verlassen das Gerät laut Hersteller nicht: kein Account, kein Bot, der sich in Gespräche einklinkt. Das Besondere sind die sogenannten Lenses — aus derselben Aufnahme entstehen je nach Auswahl eine Zusammenfassung, eine To-do-Liste oder ein Entscheidungsprotokoll. Eingebaut sind Transkription, Summary und Actions, eigene Lenses kann man selbst schreiben oder installieren. Dabei wandert nur die Lens, nie die Aufnahme. Das Telefon dient per Begleit-App als Mikrofon und synchronisiert über das eigene WLAN.

Lena Vogel: Der Preis: sieben Tage kostenlos ohne Kartenzahlung, danach einmalig 69 Euro, inklusive Updates. Unterstützt werden über 90 Sprachen — darunter Englisch, Spanisch, Französisch, Deutsch, Japanisch, Niederländisch, Chinesisch, Arabisch, Portugiesisch und Hindi. Auf der Roadmap stehen als Nächstes eigene KI-Modelle mitbringen und flexible Exportmöglichkeiten. Der Macher betont in der Community: kein monatliches Abo, keine Audio-Daten in der Cloud.

Felix Hartmann: Und dann Inventory — ein privater, lokaler Suchindex für KI-Agenten- und Entwicklungsumgebungs-Gespräche, namentlich Cursor, Claude Code, Zed, Codex, Kiro und Antigravity. Die App liest die lokalen Speicher dieser Werkzeuge nur lesend und mit Snapshot und führt sie in einer durchsuchbaren Zeitlinie zusammen. Mit einer globalen Tastenkombination bekommt man laut Produktseite sofort Zugriff auf alles, was man je mit seinen KI-Tools besprochen hat — und bleibt damit der gemeinsame rote Faden dieser Runde: Die Daten bleiben bei einem selbst, statt in die Cloud abzuwandern.

Lena Vogel: Also da waren diese zwei Coding-Terminal-Projekte, die gestern durch die Runde gingen. claudemon ist im Grunde ein Open-Source-Pokémon-Spiel, aber für Fortschritt gibt es keine schnelle Option – das Spiel schreitet nur voran, solange Claude Code für dich arbeitet. Jede zwanzig Sekunden, die Claude arbeitet, kommt ein weiterer Schritt durchs Gras dazu. Manchmal stoppt es dann auch, oder Claude hängt an einer Freigabe-Anfrage – für genau solche Momente gibt es eine Glocke, die dich benachrichtigt.

Felix Hartmann: Das heißt, das Warten auf die KI wird zum Spiel. Alle 151 Original-Pokémon sind dabei, mit echten Werten, Typen und den klassischen Rot-Blau-Bewegungen, inklusive Kämpfen, Fangen, Leveln und Entwicklung. Die Kämpfe laufen einzeln und nur für eine halbe Minute in einem zweiten Terminal-Tab, während die Statuszeile im ersten Tab meldet, was draußen im Gras passiert.

Lena Vogel: Das Ganze ist MIT-lizenziert, komplett lokal, ohne Konto und ohne Backend – installiert über den Plugin-Marketplace, runtergeladen werden nur knapp über ein Megabyte an Sprites. Voraussetzungen sind Claude Code, Node.js ab Version 18 und ein Terminal mit Truecolor-Unterstützung. Das einzig Nötige, was du dir aus der Diskussion merken solltest: In der Community schlägt einer vor, Begegnungen nicht an die verstrichene Zeit, sondern an den Exit-Code von Claude zu koppeln – und es bleibt eine offene Frage, ob das Spiel die Wartezeiten selbst beeinflusst.

Felix Hartmann: Das zweite Projekt, mpai, ist ein Open-Source-Terminal-Multiplayer, ebenfalls MIT-lizenziert und als ehrliche Public Alpha beschrieben. Es funktioniert für Codex und Claude Code – ein eingeladenes Teammitglied tritt direkt in eine explizit geteilte, laufende native Session auf einem anderen Mac ein und sieht das Ganze live mit. Laut Website startet es am dritten August auf Product Hunt.

Lena Vogel: Beim Thema Barrierefreiheit gibt es heute ein sehr spannendes Projekt: Hand Wave. Das ist eine App, die Gebärdensprache über die Kamera der Meta-Smart-Glasses in Text und Sprache übersetzt – und plattformübergreifend auch auf iOS und im Web funktionieren soll. Entwickelt hat es Aadi Sanghvi.

Felix Hartmann: Unter der Haube steckt ein leichtgewichtiges, quelloffenes neuronales Netz, das mit Googles FSBoard-Datensatz trainiert wurde. Der Clou, den die Community besonders lobt: Das Modell soll lokal auf dem Gerät laufen – das hält die Latenz niedrig und die Datenschutz-Bilanz sauber. Ein Kommentar bringt es auf den Punkt: Barrierefreiheits-Werkzeuge sollten nicht von einer Paywall oder einer Internetverbindung abhängen, dafür ist Open Source hier so wichtig.

Lena Vogel: Wobei es einen wichtigen Haken in der Diskussion gibt. Ein Kommentator weist darauf hin, dass FSBoard eigentlich ein Fingerspelling-Datensatz ist – also einzelne Buchstaben statt vollständiger Gebärden. Und damit bleibt die Frage offen, ob Hand Wave buchstabierte Wörter wirklich Buchstabe für Buchstabe liest, oder ob es auch echte ASL-Gebärden samt Grammatik verarbeitet. Die Beschreibung klingt nach Letzterem, aber beantwortet ist das im Material nicht.

Lena Vogel: Wer sich ständig bei Apps ab- und anmeldet, kennt das Problem von Slack. Genau deshalb hat ein Entwickler namens Sigit MacDupl gebaut – ein macOS-Tool, das installierte Mac-Apps in vollständig isolierte Instanzen klont. Getrennte Logins, getrennte Daten, eigene Dock-Icons – damit Arbeit und Privates nebeneinander laufen können.

Felix Hartmann: Technisch nutzt es APFS Copy-on-Write: Ein Klon einer 700-Megabyte-App kostet praktisch keine zusätzliche Platte – also ungefähr null Megabyte – und die Erstellung dauert etwa zwei Sekunden. Die Isolation läuft über eindeutige Bundle-Identifiers, separate Datenverzeichnisse und eine Sperre, die verhindert, dass Zugangsdaten jemals die gemeinsame macOS-Keychain berühren.

Lena Vogel: Voll unterstützt werden Electron-Apps, Chromium-Browser und die Firefox-Familie – insgesamt sind 52 Apps gelistet. Native Apps sind eher Beta. Wichtig: Sandboxed App-Store-Apps wie WhatsApp und Microsoft Office lassen sich nicht klonen und werden ausgeblendet – da sagen die Entwickler selbst, man solle einfach den Browser klonen und die Web-Version von WhatsApp nutzen.

Felix Hartmann: Von den Preisen her gibt es einen kostenlosen Tarif mit einem Klon nach siebentägiger Volltestphase, Pro kostet einmalig 19 Dollar für unbegrenzte Instanzen. Dazu keine Telemetrie, keine Analysen – einzige Netzwerkaufrufe sind Lizenzprüfung und Update-Check. Eine kleine Eigenheit am Rande: Klone folgen Updates der Original-App automatisch, solange MacDupl läuft. Öffnest du einen Klon direkt aus dem Dock, während MacDupl nicht läuft, startet die alte Kopie.

Lena Vogel: Und dann gibt es noch PassiveShorts – ein KI-gestützter Faceless-Video-Generator für TikTok und YouTube. Laut Hersteller Automatisierung pur: Du wählst Thema, Stimme und Zeitplan, und das Tool schreibt, vertont, untertittelt und postet die Kurzvideos von alleine. Als Erfinder stellt sich Vijayabhaskar J vor.

Felix Hartmann: Dabei gibt es fünf vorgefertigte Nischen – von Schauergeschichten über Life Pro Tips bis „Today I Learned“ – oder eigene Themen. Dazu 19 visuelle Stile, auch ein Kurzgesagt-Look ist möglich, eine Bibliothek natürlicher Stimmen, sechs Caption-Presets und bis zu zehn Serien parallel. Du kannst Videos öffentlich, privat oder als TikTok-Entwürfe veröffentlichen und behältst volle kommerzielle Rechte.

Lena Vogel: Preislich startet Basic bei 19 Dollar im Monat für drei Posts pro Woche, Pro für 39 Dollar im Monat postet täglich – mit sieben Tagen Geld-zurück-Garantie. Aber die Community hat deutliche Bedenken: Der vollautomatische Ablauf sieht keinen menschlichen Prüfschritt vor der Veröffentlichung vor. Ein Kommentator warnt, dass YouTube und TikTok die Durchsetzung gegen massenproduzierte KI-Inhalte verschärft hätten – und dass ein „Today I Learned“-Video mit einer falschen Aussage dann direkt unter deinem Kanalnamen erscheint. Eine andere Frage bleibt offen: Wie reagiert das Publikum eigentlich auf diese KI-generierten Inhalte? Das scheint bislang kaum getestet.

Lena Vogel: Freuen wir uns auf Ctruh Studio – gestartet auf Product Hunt. Es ist eine KI-gestützte Plattform, die ganz ohne Code auskommt und mit der man interaktive 3D- und XR-Erlebnisse für Websites direkt im Browser bauen, anpassen und veröffentlichen kann – kein Plugin, kein Download nötig.

Felix Hartmann: Klingt nach großem Versprechen. Was steckt konkret dahinter?

Lena Vogel: Das Herzstück ist VersaAI: Aus einem Text oder einem Bild entsteht in Minuten ein produktionsreifes 3D-Modell. Dazu kommen ein 3D-Viewer, virtuelles Anprobieren und AR, Konfiguratoren für Farben, Materialien und Varianten sowie virtuelle Storefronts. Das Team spricht von einer All-in-One-Plattform – mit Asset-Bibliothek und Content-Verwaltung – und einer browsernativen Engine, die sofort lädt. Wochen Spezialistenarbeit sollen so zu Minuten für eine einzelne Person werden.

Felix Hartmann: Und was sagen die ersten Nutzerinnen und Nutzer?

Lena Vogel: Durchweg interessante Eindrücke. Ein Nutzer lobt den KI-Asset-Generator für organische Formen – seine Pflanzenmodelle sähen tatsächlich wie Pflanzen aus. Ein Möbelhaus-Inhaber erhofft sich von der AR-Funktion, dass Kunden Möbel schon vorab im eigenen Raum sehen können, und dass Retouren dadurch deutlich sinken. Und eine nicht-technische Nutzerin hat laut eigener Aussage in wenigen Minuten ein Try-on, also ein virtuelles Anprobieren, erstellt.

Felix Hartmann: Da scheint wirklich etwas zu gehen. Und was bleibt offen?

Lena Vogel: Zwei Punkte tauchen in der Community auf: zum einen die Batch-Bearbeitung mehrerer Produktvarianten auf einmal, zum anderen die Optimierung von Dateigrößen für mobile Nutzer. Der kostenlose Test läuft übrigens mit Launch-Credits, das macht den Einstieg niedrigschwellig.

Felix Hartmann: Weiter zu gesture.live – einem frisch veröffentlichten Web-Experiment. Damit spielt man live elektronische Musik per Webcam-Gesten: Akkorde, Bass, Drums und Effekte über Handbewegungen, alles im Browser.

Lena Vogel: Das klingt nach einem Gimmick – oder steckt mehr dahinter?

Felix Hartmann: Die Idee hat Substanz. Als Ausgangspunkt dient ein früheres Projekt, das vor einigen Wochen auf Instagram viral ging und beiden Händen Akkorde überlässt. gesture.live nutzt dieselbe Akkordsprache, komprimiert sie aber auf eine Hand – so bleibt die andere frei für Melodien, Drum- und Bass-Patterns und die Effektsteuerung. Genau diese Freigabe der zweiten Hand wird in der Community als die richtige Entscheidung bewertet, die Einhand-Akkorde ermöglichen.

Lena Vogel: Und wie überzeugt die Technik?

Felix Hartmann: Das Demo-Video wirkt in einem gut beleuchteten Raum am Schreibtisch überzeugend. Offen bleibt, ob das Handtracking unter Bühnenlicht oder schwachem, farbigem Licht funktioniert – daran entscheidet sich, ob das Tool über den Heimstudio-Einsatz hinauskommt.

Lena Vogel: Ein Kommentator bringt einen feinen Punkt auf: Die entscheidende Frage sei, ob die gespielten Noten auf ein Raster quantisiert werden. Webcam-Tracking liefere an einem guten Tag rund 30 Bilder pro Sekunde – also ein Timing-Rauschen von etwa 30 Millisekunden, weit unterhalb dessen, was man als Timing-Fehler wahrnimmt. Das Rasten auf ein 16tel-Raster mache es spielbar, koste aber genau das menschliche Push und Lay-back, das der Musik das Gefühl gibt. Eine kluge Abwägung.

Felix Hartmann: Und ein Nicht-Musiker sagt, er werde es wohl nur mit seinen Kindern ausprobieren – finde es aber erstaunlich. Also neugierige Aufnahme, mit gesunden Vorbehalten. Das ist ein Experiment zum Beobachten.

Lena Vogel: Bevor wir uns verabschieden, lass uns kurz zusammenfassen, was heute los war.

Felix Hartmann: Gerne. Ganz oben stand Qwens neues Flaggschiff, das bislang leistungsfähigste Modell des Unternehmens.

Lena Vogel: Und daneben viele frische Agenten-Tools – manche in der Cloud gehostet, andere setzen bewusst auf Lokal statt Abo, wie yapyap und Open Minis. Dazu KI-Coding-Terminals und Neuheiten rund um Gebärdensprache und Musik per Geste.

Felix Hartmann: Ein bunter Tag mit spannenden Entwicklungen. Danke fürs Zuhören – bis zum nächsten Mal!